- Gericht
- BVerfGBundesverfassungsgericht
- Datum
- 29. Juni 2000
- Aktenzeichen
- 1 BvR 825/98
Ein künstlerisches Zitat darf weiter gehen als ein wissenschaftliches: Es kann auch längere Passagen umfassen, wenn sie als Teil der eigenen künstlerischen Aussage dienen.
📂 Sachverhalt
Heiner Müller verwendete in seinem letzten Theaterstück »Germania 3 Gespenster am toten Mann« längere Passagen aus Texten von Bertolt Brecht und montierte sie in sein Stück. Die Brecht-Erben klagten wegen Urheberrechtsverletzung.
📌 Kernaussage
Das Bundesverfassungsgericht entschied, dass die Gerichte das Zitatrecht im Licht der Kunstfreiheit auslegen müssen. Ein Künstler darf fremde Texte auch dann übernehmen, wenn er sie nicht als Beleg erörtert, sondern als Mittel seiner künstlerischen Gestaltung einsetzt. Der geringfügige wirtschaftliche Nachteil der Erben musste hinter dem Interesse an einer künstlerischen Auseinandersetzung zurücktreten.
💡 Bedeutung für die Praxis
Für Theater, Literatur und Collagen ist das ein wichtiger Spielraum. Das Zitat muss aber erkennbar bleiben, eine echte Funktion im neuen Werk haben und die Quelle nennen. Ein bloßes Ausschmücken mit fremden Texten reicht nicht.
Stand Oktober 2026 · Eigene Zusammenfassung, keine amtliche Leitsatzfassung. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung im Einzelfall.
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Mein Weg
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