100 Entscheidungen von 1958 bis 2026
Von Lüth bis Suno: Leitentscheidungen aus Medien-, Urheber-, Marken-, Datenschutz-, Non-Profit- und Veranstaltungsrecht. Such nach einem Stichwort oder filtere nach Bereich, Gericht und Zeitraum.
- LG2026GEMA gegen SunoLG München I · 31. Juli 2026 · 42 O 763/25Auch ein Musikgenerator vervielfältigt Werke, wenn er sie im Modell memorisiert. Für die erzeugten Songs haftet der Anbieter, nicht der Nutzer. Die erste Entscheidung zu KI-Musik …
- OLG2025Kneschke gegen LAION (Oberlandesgericht)OLG Hamburg · 10. Dezember 2025 · 5 U 104/24Das Oberlandesgericht bestätigte: Die Erstellung eines KI-Trainingsdatensatzes durch einen Forschungsverein ist vom Text und Data Mining gedeckt. Der BGH hat den Fall 2026 verhandelt.
- LG2025GEMA gegen OpenAILG München I · 11. November 2025 · 42 O 14139/24Wenn ein Sprachmodell Liedtexte so verinnerlicht, dass es sie wiedergeben kann, sind die Texte im Modell vervielfältigt. Das deckt das Text und Data Mining nicht mehr.
- BGH2024Scraping (Kontrollverlust als Schaden)18. November 2024 · VI ZR 10/24Schon der bloße Verlust der Kontrolle über die eigenen Daten kann ein immaterieller Schaden sein. Der BGH nannte im Leitentscheidungsverfahren 100 Euro als angemessenen Richtwert.
- BGH2024Drohnenaufnahmen (Panoramafreiheit)23. Oktober 2024 · I ZR 67/23Luftaufnahmen mit einer Drohne sind nicht von der Panoramafreiheit gedeckt. Erfasst ist nur die Perspektive, die man von einem öffentlich zugänglichen Ort aus hat.
- EuGH2024Lindenapotheke (DSGVO und Wettbewerbsrecht)4. Oktober 2024 · C-21/23Mitbewerber dürfen Datenschutzverstöße über das Wettbewerbsrecht abmahnen. Gesundheitsdaten sind auch Bestelldaten für nicht verschreibungspflichtige Medikamente.
- LG2024Kneschke gegen LAION (Landgericht)LG Hamburg · 27. September 2024 · 310 O 227/23Das Herunterladen von Bildern, um daraus einen Datensatz für KI-Training zu erstellen, kann als Text und Data Mining für die wissenschaftliche Forschung erlaubt sein. Die erste …
- BGH2024DABUS (KI als Erfinder)11. Juni 2024 · X ZB 5/22Eine KI kann nicht als Erfinder benannt werden, Erfinder ist immer ein Mensch. Eine Erfindung, die mit Hilfe einer KI entstanden ist, kann aber patentiert werden.
- EuGH2023Hackerangriff: Befürchtung des Missbrauchs als Schaden14. Dezember 2023 · C-340/21Nach einem Hackerangriff kann schon die begründete Befürchtung, dass die Daten missbraucht werden, ein immaterieller Schaden sein. Der Verantwortliche muss beweisen, dass seine Sicherheitsmaßnahmen angemessen waren.
- BGH2023Microstock-Portal (Urhebernennung)15. Juni 2023 · I ZR 179/22Ein Fotograf kann in den AGB einer Stockfoto-Plattform wirksam darauf verzichten, dass Kunden ihn bei jeder Nutzung namentlich nennen. Das Recht auf Urhebernennung ist vertraglich einschränkbar.
- EuGH2023Recht auf Kopie (F. F. gegen Österreichische Datenschutzbehörde)4. Mai 2023 · C-487/21Das Recht auf Auskunft umfasst eine originalgetreue und verständliche Reproduktion der Daten, im Einzelfall auch Kopien ganzer Dokumente, wenn die Daten nur so verständlich sind.
- EuGH2023Österreichische Post (keine Bagatellgrenze)4. Mai 2023 · C-300/21Für Schadensersatz nach der DSGVO reicht ein Verstoß allein nicht, es muss ein Schaden entstanden sein. Eine Erheblichkeitsschwelle gibt es aber nicht.
- EuGH2022Auslistung offensichtlich unrichtiger Informationen8. Dezember 2022 · C-460/20Wer nachweist, dass Informationen über ihn offensichtlich unrichtig sind, kann von einer Suchmaschine die Auslistung verlangen. Ein Urteil gegen den Verfasser braucht er dafür nicht.
- BSG2022Herrenberg (Lehrkräfte an Musikschulen)28. Juni 2022 · B 12 R 3/20 REine Musikschullehrerin mit festem Stundenplan, festen Räumen und Eingliederung in den Schulbetrieb ist abhängig beschäftigt, auch wenn der Vertrag sie als freie Mitarbeiterin bezeichnet.
- BSG2022Eigenwerbung und Künstlersozialabgabe (Kanzlei-Website)1. Juni 2022 · B 3 KS 3/21 RWer für Eigenwerbung nur einmalig einen Webdesigner beauftragt, ist nicht abgabepflichtig. Die Aufträge müssen eine gewisse Regelmäßigkeit und einen nicht unerheblichen Umfang haben.
- LG2022Google FontsLG München I · 20. Januar 2022 · 3 O 17493/20Wer Schriftarten dynamisch von Google-Servern lädt und dabei die IP-Adresse der Besucher ohne Einwilligung übermittelt, verletzt die DSGVO. Das Gericht sprach 100 Euro Schadensersatz zu.
- BGH2022Corona-Schließung und Gewerbemiete (Störung der Geschäftsgrundlage)12. Januar 2022 · XII ZR 8/21Wird ein Geschäft wegen der Pandemie behördlich geschlossen, kann der Mieter eine Anpassung der Miete verlangen. Eine pauschale Halbierung gibt es aber nicht, es kommt auf …
- BVerfG2021Künast (Hassposts)19. Dezember 2021 · 1 BvR 1073/20Auch bei Politikern muss im Einzelfall abgewogen werden, ob eine Äußerung noch Meinung oder schon Beleidigung ist. Wer öffentlich angreifbar ist, muss nicht jede Herabwürdigung hinnehmen.
- EuGH2021Inbox-Werbung (StWL)25. November 2021 · C-102/20Werbung, die im Postfach eines E-Mail-Dienstes wie eine echte Nachricht angezeigt wird, braucht die vorherige Einwilligung der Nutzer. Sonst ist sie unzulässige Direktwerbung.
- BGH2021Smartlaw (Vertragsgenerator)9. September 2021 · I ZR 113/20Ein digitaler Vertragsgenerator, der Formulare für typische Situationen nach einem Frage-Antwort-System erstellt, ist keine Rechtsdienstleistung. Er darf aber nicht mit Anwaltsqualität werben.
- BGH2021Influencer-Werbung (Hummels, Hanne, Huss)9. September 2021 · I ZR 90/20, I ZR 125/20, I ZR 126/20Influencer müssen Beiträge als Werbung kennzeichnen, wenn sie dafür eine Gegenleistung erhalten. Ohne Gegenleistung dürfen sie Produkte zeigen und verlinken, solange der Beitrag nicht übertrieben werblich …
- EuGH2021YouTube und Cyando22. Juni 2021 · C-682/18 und C-683/18Plattformen haften für Uploads ihrer Nutzer nach altem Recht nur, wenn sie über das bloße Bereitstellen hinaus zur Rechtsverletzung beitragen. Heute gilt das strengere Urheberrechts-Diensteanbieter-Gesetz.
- EuGH2021VG Bild-Kunst (Framing)9. März 2021 · C-392/19Wer Inhalte per Framing einbettet und dabei technische Schutzmaßnahmen gegen das Einbetten umgeht, braucht die Erlaubnis des Rechteinhabers.
- EuGH2020Schrems II16. Juli 2020 · C-311/18Der EuGH kippte das Privacy Shield für Datenübermittlungen in die USA. Standardvertragsklauseln bleiben möglich, verlangen aber eine Prüfung des Datenschutzniveaus im Zielland.
- BVerfG2019Recht auf Vergessen II6. November 2019 · 1 BvR 276/17Bei Auslistungsanträgen gegen Suchmaschinen prüft das Bundesverfassungsgericht erstmals an den Grundrechten der EU-Charta. Die Abwägung muss auch die Pressefreiheit des Verlags einbeziehen.
- BVerfG2019Recht auf Vergessen I6. November 2019 · 1 BvR 16/13Presseverlage dürfen alte Artikel im Online-Archiv halten. Sie müssen aber auf Anfrage prüfen, ob die Auffindbarkeit über den Namen nach langer Zeit noch gerechtfertigt ist.
- EuGH2019Glawischnig-Piesczek gegen Facebook3. Oktober 2019 · C-18/18Gerichte dürfen Plattformen verpflichten, nicht nur einen beanstandeten Post zu löschen, sondern auch wort- und sinngleiche Inhalte, unter Umständen weltweit.
- EuGH2019Planet49 (Cookie-Einwilligung)1. Oktober 2019 · C-673/17Ein vorangekreuztes Kästchen ist keine wirksame Einwilligung in Cookies. Nutzer müssen aktiv zustimmen und erfahren, wie lange Cookies laufen und wer darauf zugreift.
- EuGH2019Cofemel12. September 2019 · C-683/17Für Design und angewandte Kunst gelten im Urheberrecht dieselben Maßstäbe wie für andere Werke. Eine ästhetische Wirkung allein genügt aber nicht, es kommt auf die Originalität …
- EuGH2019Fashion ID (Like-Button)29. Juli 2019 · C-40/17Wer einen Like-Button oder ähnliche Plug-ins einbindet, ist für das Erheben und Übermitteln der Besucherdaten mitverantwortlich. Dafür braucht es eine Rechtsgrundlage und Information.
- EuGH2019Spiegel Online (Volker Beck)29. Juli 2019 · C-516/17Ein Zitat kann auch durch einen Link auf das vollständige Werk erfolgen. Es setzt voraus, dass das Werk bereits rechtmäßig veröffentlicht war und die Quelle angegeben …
- EuGH2019Funke Medien (Afghanistan-Papiere)29. Juli 2019 · C-469/17Die Schranken des Urheberrechts sind abschließend. Meinungs- und Pressefreiheit können keine zusätzlichen Ausnahmen schaffen, wirken aber bei der Auslegung der bestehenden.
- EuGH2019Pelham29. Juli 2019 · C-476/17Ein Sample verletzt das Recht des Tonträgerherstellers, wenn es im neuen Werk wiedererkennbar ist. In geänderter, beim Hören nicht wiedererkennbarer Form ist es zulässig.
- BSG2019Honorarärzte (Maßstab der Scheinselbständigkeit)4. Juni 2019 · B 12 R 11/18 REin hohes Honorar und besondere Fachkenntnisse machen niemanden selbständig. Wer in fremde Abläufe eingegliedert ist und kein unternehmerisches Risiko trägt, ist beschäftigt.
- BFH2019Attac (politische Betätigung)10. Januar 2019 · V R 60/17Gemeinnützige Organisationen dürfen sich politisch äußern, wenn es ihren Satzungszwecken dient. Allgemeinpolitische Kampagnen außerhalb der Zwecke gefährden die Gemeinnützigkeit.
- BGH2018Museumsfotos (Reiss-Engelhorn-Museen)20. Dezember 2018 · I ZR 104/17Fotos gemeinfreier Gemälde sind als Lichtbilder geschützt. Wer sie aus dem Netz kopiert, verletzt das Recht des Fotografen, auch wenn das Gemälde selbst frei ist.
- EuGH2018Renckhoff (Schulfoto)7. August 2018 · C-161/17Wer ein frei im Netz verfügbares Foto herunterlädt und auf einer eigenen Website erneut hochlädt, braucht die Erlaubnis des Fotografen. Anders als beim Link wird ein …
- BVerfG2018Rundfunkbeitrag18. Juli 2018 · 1 BvR 1675/16Der Rundfunkbeitrag für Wohnungen ist verfassungsgemäß, weil der öffentlich-rechtliche Rundfunk ein Angebot an alle ist. Wer eine Zweitwohnung hat, darf aber nicht doppelt zahlen.
- OLG2018KUG neben der DSGVO (Fotos im journalistischen Bereich)OLG Köln · 18. Juni 2018 · 15 W 27/18Für Fotos im journalistischen Bereich gilt das Kunsturhebergesetz trotz DSGVO weiter. Die Abwägungsregeln des KUG bleiben der Maßstab für die Veröffentlichung von Bildnissen.
- EuGH2018Wirtschaftsakademie (Facebook-Fanpage)5. Juni 2018 · C-210/16Wer eine Facebook-Seite betreibt, ist gemeinsam mit Facebook für die Datenverarbeitung der Besucher verantwortlich. Er kann sich nicht hinter der Plattform verstecken.
- OLG2018Schmähgedicht (Böhmermann)OLG Hamburg · 15. Mai 2018 · 7 U 34/17Satire darf viel, aber nicht alles: Auch eingebettet in eine satirische Rahmenhandlung können einzelne herabwürdigende Passagen verboten werden.
- BGH2018Jameda (Ärztebewertung)20. Februar 2018 · VI ZR 30/17Bewertungsportale dürfen Profile auch ohne Zustimmung führen, aber nur als neutrale Informationsmittler. Wer zahlende Kunden bevorzugt, verliert dieses Privileg.
- BFH2017Freimaurerloge (Ausschluss von Frauen)17. Mai 2017 · V R 52/15Ein Verein, der Frauen ohne sachlichen Grund von der Mitgliedschaft ausschließt, fördert nicht die Allgemeinheit und ist deshalb nicht gemeinnützig.
- BGH2017Kita-Verein (Nebenzweckprivileg)16. Mai 2017 · II ZB 7/16Ein gemeinnütziger Verein darf wirtschaftlich tätig sein, wenn das dem ideellen Hauptzweck dient. Die Anerkennung der Gemeinnützigkeit ist ein starkes Indiz dafür.
- BGH2017AIDA Kussmund27. April 2017 · I ZR 247/15Die Panoramafreiheit gilt auch für Kunstwerke, die sich an wechselnden öffentlichen Orten befinden, etwa auf einem Kreuzfahrtschiff. »Bleibend« heißt: für die Lebensdauer des Werks.
- BVerwG2017Vorläufiger Zuwendungsbescheid und Schlussbescheid15. März 2017 · 10 C 1.16Steht ein Zuwendungsbescheid unter dem Vorbehalt der endgültigen Festsetzung, kann die Behörde die Förderung im Schlussbescheid kürzen, ohne die Regeln über Rücknahme und Widerruf beachten zu …
- EuGH2017Doppelte Lizenzgebühr (OTK)25. Januar 2017 · C-367/15Das EU-Recht erlaubt es, als Schadensersatz für Urheberrechtsverletzungen pauschal die doppelte Lizenzgebühr zu verlangen, ohne einen höheren Schaden nachweisen zu müssen.
- EuGH2016Breyer (dynamische IP-Adressen)19. Oktober 2016 · C-582/14Auch dynamische IP-Adressen sind personenbezogene Daten, wenn der Websitebetreiber rechtliche Mittel hat, die Person dahinter zu bestimmen.
- EuGH2016GS Media8. September 2016 · C-160/15Wer mit Gewinnerzielungsabsicht auf rechtswidrig veröffentlichte Inhalte verlinkt, haftet, weil von ihm erwartet wird, die Rechtmäßigkeit zu prüfen. Private Nutzer haften erst bei Kenntnis.
- EuGH2016Reha Training (Fernsehgeräte in Reha-Einrichtung)31. Mai 2016 · C-117/15Wer in Warte- und Trainingsräumen Fernsehprogramme für seine Kunden zeigt, gibt sie öffentlich wieder. Anders als beim Zahnarzt ist ein neues Publikum betroffen.
- BVerfG2016Metall auf Metall (Bundesverfassungsgericht)31. Mai 2016 · 1 BvR 1585/13Die Kunstfreiheit kann es rechtfertigen, kurze Samples ohne Erlaubnis zu verwenden, wenn die wirtschaftlichen Interessen des Rechteinhabers nur geringfügig beeinträchtigt sind.
- OLG2014Creative Commons »nicht kommerziell« (Deutschlandradio)OLG Köln · 31. Oktober 2014 · 6 U 60/14Ein öffentlich-rechtlicher Sender nutzt ein Foto nicht kommerziell im Sinne der Creative-Commons-Lizenz. Wer das Bild beschneidet und den Lizenzhinweis weglässt, verletzt aber die Lizenzbedingungen.
- EuGH2014Deckmyn3. September 2014 · C-201/13Eine Parodie muss an ein bestehendes Werk erinnern, sich aber merklich davon unterscheiden und Humor oder Spott ausdrücken. Diskriminierende Botschaften können dennoch untersagt werden.
- EuGH2014Karen Millen (nicht eingetragenes Design)19. Juni 2014 · C-345/13Auch nicht eingetragene Designs sind in der EU drei Jahre lang geschützt. Für die Eigenart zählt der Vergleich mit einzelnen älteren Designs, nicht mit einer Kombination …
- EuGH2014Google Spain13. Mai 2014 · C-131/12Suchmaschinen müssen auf Antrag Links zu Informationen über eine Person entfernen, wenn diese nicht mehr relevant sind. Das »Recht auf Vergessenwerden« war geboren.
- EuGH2014Svensson13. Februar 2014 · C-466/12Wer auf frei im Internet zugängliche Inhalte verlinkt, macht sie keinem neuen Publikum zugänglich. Ein solcher Link braucht keine Erlaubnis des Urhebers.
- BGH2013Geburtstagszug13. November 2013 · I ZR 143/12Werke der angewandten Kunst brauchen keine besondere Gestaltungshöhe mehr. Es genügt dieselbe Schöpfungshöhe wie bei anderen Werken, auch ein Holzspielzeug kann geschützt sein.
- BGH2013Autocomplete14. Mai 2013 · VI ZR 269/12Suchvorschläge einer Suchmaschine sind eigene Aussagen des Betreibers. Erfahren Betreiber von persönlichkeitsverletzenden Ergänzungen, müssen sie diese entfernen.
- BGH2012Morpheus (Elternhaftung beim Filesharing)15. November 2012 · I ZR 74/12Eltern haften nicht für illegales Filesharing ihres 13-jährigen Kindes, wenn sie es über das Verbot belehrt haben und keine Anhaltspunkte für einen Verstoß hatten.
- EuGH2012SCF (Hintergrundmusik in der Zahnarztpraxis)15. März 2012 · C-135/10Radiomusik im Wartezimmer einer Zahnarztpraxis ist keine öffentliche Wiedergabe, weil sich die Musik an einen kleinen, wechselnden Kreis von Patienten richtet, die nicht wegen der Musik …
- EGMR2012Axel Springer gegen Deutschland7. Februar 2012 · 39954/08Die Berichterstattung über die Festnahme eines bekannten Schauspielers war zulässig. Der EGMR nennt sechs Kriterien für die Abwägung zwischen Pressefreiheit und Privatleben.
- EuGH2011Painer1. Dezember 2011 · C-145/10Auch ein Porträtfoto kann ein Werk sein: Durch Wahl von Hintergrund, Pose, Licht und Moment hat der Fotograf genug Gestaltungsspielraum für eine persönliche Note.
- BGH2011Bochumer Weihnachtsmarkt27. Oktober 2011 · I ZR 175/10Die GEMA darf eine angemessene Vergütung auch dann verlangen, wenn sie für eine Nutzungsart keinen passenden Tarif hat. Maßstab kann der nächstliegende Tarif sein, etwa nach …
- BGH2011Blog-Eintrag25. Oktober 2011 · VI ZR 93/10Ein Plattformbetreiber haftet für fremde Inhalte erst, wenn er auf eine klare Rechtsverletzung hingewiesen wurde. Dann muss er ein Prüfverfahren durchführen, mit Stellungnahme des Verfassers.
- BGH2011Das Boot (Kameramann)22. September 2011 · I ZR 127/10Wer ein Werk geschaffen hat, das später außergewöhnlich erfolgreich ist, kann Auskunft über die Erträge verlangen, um eine faire Nachvergütung zu berechnen. Auch nach einem Buy-out.
- EuGH2011L’Oréal gegen eBay12. Juli 2011 · C-324/09Online-Marktplätze haften für markenverletzende Angebote ihrer Nutzer, wenn sie eine aktive Rolle spielen oder von Verletzungen wissen und nicht handeln.
- BGH2010Hartplatzhelden28. Oktober 2010 · I ZR 60/09Ein Veranstalter kann nicht über das Wettbewerbsrecht verbieten, dass Zuschauer Ausschnitte seiner Spiele filmen und online stellen. Ein eigenes Recht an der Veranstaltung gibt es nicht.
- BGH2010Vorschaubilder29. April 2010 · I ZR 69/08Wer Bilder ins Internet stellt, ohne sie gegen Suchmaschinen zu sperren, willigt schlüssig in die Anzeige als Vorschaubild ein. Die Einwilligung ist kein Nutzungsrecht, macht die …
- EuGH2010Google AdWords23. März 2010 · C-236/08 bis C-238/08Wer eine fremde Marke als Suchwort für Anzeigen bucht, verletzt sie, wenn die Anzeige nicht klar erkennen lässt, dass das Angebot nicht vom Markeninhaber stammt.
- EuGH2009Infopaq16. Juli 2009 · C-5/08Schon elf Wörter können urheberrechtlich geschützt sein, wenn sie die eigene geistige Schöpfung ihres Urhebers ausdrücken. Maßstab ist europaweit die Originalität.
- BGH2009spickmich.de23. Juni 2009 · VI ZR 196/08Anonyme Bewertungen beruflicher Leistungen auf Portalen sind grundsätzlich zulässig. Sie betreffen die Sozialsphäre und sind als Meinungsäußerungen geschützt.
- EuGH2009Lindt Goldhase (bösgläubige Anmeldung)11. Juni 2009 · C-529/07Eine Marke ist bösgläubig angemeldet, wenn der Anmelder weiß, dass ein anderer das Zeichen schon nutzt, und ihn mit der Anmeldung nur blockieren will. Sie kann …
- BGH2008Metall auf Metall20. November 2008 · I ZR 112/06Schon das Übernehmen kleinster Tonfetzen kann das Recht des Tonträgerherstellers verletzen. Der Auftakt eines Streits über Sampling, der über 20 Jahre durch alle Instanzen ging.
- BVerfG2007Esra13. Juni 2007 · 1 BvR 1783/05Ein Roman darf verboten werden, wenn er erkennbare reale Personen in ihrer Intimsphäre darstellt. Je mehr ein Text die Wirklichkeit abbildet, desto stärker zählt der Persönlichkeitsschutz.
- BGH2007Abgestuftes Schutzkonzept (Caroline im Urlaub)6. März 2007 · VI ZR 51/06Ob ein Foto einer bekannten Person veröffentlicht werden darf, hängt vom Informationswert des Anlasses ab. Je geringer der Beitrag zur öffentlichen Debatte, desto stärker wiegt die …
- BVerfG2005Stolpe25. Oktober 2005 · 1 BvR 1696/98Bei Unterlassungsansprüchen für die Zukunft gilt eine strengere Regel als bei Strafe: Wer mehrdeutig formuliert, muss sich die persönlichkeitsverletzende Deutung zurechnen lassen und kann klarstellen.
- EGMR2004Von Hannover gegen Deutschland24. Juni 2004 · 59320/00Fotos aus dem Privatleben Prominenter sind nur zulässig, wenn sie zu einer Debatte von allgemeinem Interesse beitragen. Neugier allein reicht nicht.
- BGH2003Gies-Adler20. März 2003 · I ZR 117/00Eine Parodie darf ein geschütztes Werk übernehmen, wenn sie einen deutlichen inneren Abstand dazu hält. Die Vorlage darf erkennbar sein, sie muss es sogar.
- EuGH2003Ansul (rechtserhaltende Benutzung)11. März 2003 · C-40/01Eine Marke muss ernsthaft benutzt werden, um sie zu erhalten. Eine bloß symbolische Nutzung genügt nicht, es kommt auf die Verwendung am Markt für die eingetragenen …
- BGH2001shell.de (Domain und Namensrecht)22. November 2001 · I ZR 138/99Bei gleichnamigen Domaininhabern gilt grundsätzlich: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Ist ein Name aber überragend bekannt, muss der Namensträger mit geringerer Bekanntheit weichen.
- BGH2001ARGE Weißes Ross (Rechtsfähigkeit der GbR)29. Januar 2001 · II ZR 331/00Eine GbR, die nach außen auftritt, ist rechtsfähig und kann selbst klagen und verklagt werden. Für ihre Schulden haften die Gesellschafter persönlich und unbeschränkt.
- BVerfG2000Germania 329. Juni 2000 · 1 BvR 825/98Ein künstlerisches Zitat darf weiter gehen als ein wissenschaftliches: Es kann auch längere Passagen umfassen, wenn sie als Teil der eigenen künstlerischen Aussage dienen.
- BVerfG1999Caroline von Monaco15. Dezember 1999 · 1 BvR 653/96Auch Prominente haben eine geschützte Privatsphäre, etwa an Orten erkennbarer Abgeschiedenheit. Fotos mit ihren Kindern sind besonders geschützt.
- BGH1999Mindestbestand an Beweistatsachen (Verdachtsberichterstattung)7. Dezember 1999 · VI ZR 51/99Über einen Verdacht darf berichtet werden, wenn es einen Mindestbestand an Beweistatsachen gibt, der Betroffene angehört wurde, die Darstellung ausgewogen ist und nichts vorverurteilt.
- BGH1999Marlene Dietrich (vermögenswerte Persönlichkeitsrechte)1. Dezember 1999 · I ZR 49/97Name, Bild und Stimme einer Person haben auch einen Vermögenswert. Diese vermögenswerten Bestandteile des Persönlichkeitsrechts gehen auf die Erben über, die gegen unerlaubte Vermarktung vorgehen können.
- EuGH1997Sabel gegen Puma (Verwechslungsgefahr)11. November 1997 · C-251/95Ob zwei Marken verwechselbar sind, wird umfassend anhand des Gesamteindrucks beurteilt: Ähnlichkeit der Zeichen, Ähnlichkeit der Waren und Kennzeichnungskraft der älteren Marke.
- BVerwG1997Intendiertes Ermessen beim Widerruf von Zuwendungen16. Juni 1997 · 3 C 22.96Werden Fördermittel nicht zweckentsprechend verwendet, ist der Widerruf des Zuwendungsbescheids der Regelfall. Nur besondere Umstände des Einzelfalls rechtfertigen eine andere Entscheidung.
- BGH1997Vereinsausschluss (gerichtliche Kontrolle)9. Juni 1997 · II ZR 303/95Gerichte prüfen einen Vereinsausschluss darauf, ob er eine Grundlage in der Satzung hat, das Verfahren eingehalten wurde, die Tatsachen zutreffend ermittelt sind und er nicht willkürlich …
- BVerfG1995»Soldaten sind Mörder«10. Oktober 1995 · 1 BvR 1476/91Bevor eine Äußerung bestraft oder verboten wird, muss das Gericht alle naheliegenden Deutungen prüfen. Steht eine zulässige Deutung im Raum, darf es nicht die ungünstigste zugrunde …
- BGH1994Erfundenes Interview mit Caroline15. November 1994 · VI ZR 56/94Bei vorsätzlichen Persönlichkeitsverletzungen zur Auflagensteigerung muss die Geldentschädigung so hoch sein, dass sich die Verletzung nicht lohnt. Prävention ist ein eigener Bemessungsfaktor.
- BVerfG1987Künstlersozialabgabe ist verfassungsgemäß8. April 1987 · 2 BvR 909/82Verwerter künstlerischer Leistungen dürfen zur Finanzierung der Sozialversicherung selbständiger Künstler herangezogen werden. Ihr Verhältnis zu den Künstlern ähnelt dem von Arbeitgebern.
- BGH1985GEMA-Vermutung5. Juni 1985 · I ZR 53/83Wegen ihres umfassenden Repertoires darf die GEMA vermuten, dass öffentlich gespielte Tanz- und Unterhaltungsmusik von ihr vertreten wird. Wer das bestreitet, muss es konkret widerlegen.
- BVerwG1984Jahresfrist bei Rücknahme und Widerruf19. Dezember 1984 · GrSen 1.84 und 2.84Die Jahresfrist für die Rücknahme eines Verwaltungsakts beginnt erst, wenn die Behörde alle entscheidungserheblichen Tatsachen vollständig kennt. Sie ist eine Entscheidungsfrist, keine Bearbeitungsfrist.
- BVerfG1984Wallraff (Bild-Zeitung)25. Januar 1984 · 1 BvR 272/81Auch rechtswidrig beschaffte Informationen dürfen veröffentlicht werden, wenn sie Missstände von erheblichem öffentlichem Gewicht aufdecken. Interna aus Redaktionskonferenzen sind aber besonders geschützt.
- BVerfG1983Volkszählung15. Dezember 1983 · 1 BvR 209/83Jeder hat das Recht, grundsätzlich selbst über die Preisgabe und Verwendung seiner persönlichen Daten zu bestimmen. Das Volkszählungsurteil begründete das Recht auf informationelle Selbstbestimmung.
- BVerfG1973Lebach5. Juni 1973 · 1 BvR 536/72Nach einer Straftat überwiegt das Informationsinteresse nur vorübergehend. Kurz vor der Entlassung darf ein Fernsehfilm den Täter nicht mehr identifizierbar zeigen, weil das seine Resozialisierung gefährdet.
- BVerfG1973Soraya (erfundenes Interview)14. Februar 1973 · 1 BvR 112/65Ein erfundenes Interview verletzt das Persönlichkeitsrecht schwer. Dafür darf ein Gericht Geldentschädigung zusprechen, obwohl das Gesetz das nicht ausdrücklich vorsah.
- BVerfG1971Mephisto24. Februar 1971 · 1 BvR 435/68Kunstfreiheit ist vorbehaltlos gewährleistet, findet aber ihre Grenze im Persönlichkeitsrecht, auch dem eines Verstorbenen. Ein Roman kann verboten werden, wenn er ein reales Vorbild verfälscht und …
- BGH1958Herrenreiter14. Februar 1958 · I ZR 151/56Wer das Bild eines Menschen ohne Einwilligung für Werbung nutzt, muss Geldentschädigung zahlen. Der BGH erkannte damit erstmals einen Ersatz für immaterielle Schäden bei Persönlichkeitsverletzungen an.
- BVerfG1958Lüth15. Januar 1958 · 1 BvR 400/51Grundrechte wirken auch zwischen Privaten: Wer über eine Äußerung entscheidet, muss die Meinungsfreiheit gegen die Rechte des Betroffenen abwägen. Die Geburtsstunde der modernen Äußerungsrechtsprechung.
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Wenn Prüfer und Kammer mitspielen, gründe ich eine Kanzlei für die Kultur- und Kreativwirtschaft. Soll ich Dir Bescheid sagen?