Beschluss2007
Gericht
BVerfGBundesverfassungsgericht
Datum
13. Juni 2007
Aktenzeichen
1 BvR 1783/05

Ein Roman darf verboten werden, wenn er erkennbare reale Personen in ihrer Intimsphäre darstellt. Je mehr ein Text die Wirklichkeit abbildet, desto stärker zählt der Persönlichkeitsschutz.

📂 Sachverhalt

Der Roman »Esra« von Maxim Biller schilderte die Liebesbeziehung eines Schriftstellers mit einer Schauspielerin. Die frühere Partnerin des Autors und ihre Mutter erkannten sich darin wieder, einschließlich intimer Details und einer Krankheit. Sie klagten auf Unterlassung.

📌 Kernaussage

Das Bundesverfassungsgericht bestätigte das Verbot hinsichtlich der früheren Partnerin. Ein literarisches Werk ist zunächst als Fiktion zu verstehen (Vermutung der Fiktionalität). Diese Vermutung kann aber widerlegt sein, wenn die Figur erkennbar ist und der Text den Eindruck erweckt, die Schilderungen seien tatsächlich geschehen. Je stärker Abbild und Urbild übereinstimmen und je näher die Darstellung der Intimsphäre kommt, desto schwerer wiegt der Persönlichkeitsschutz. Die Klage der Mutter hatte keinen Erfolg.

💡 Bedeutung für die Praxis

Autofiktion, Bühnenstücke nach wahren Begebenheiten und Biopics brauchen eine Prüfung vor der Veröffentlichung: Wer ist erkennbar? Welche Details stammen aus dem Leben, welche sind erfunden? Sexualität und Krankheit sind besonders heikel. Verfremden, Zustimmung einholen oder streichen.

Stand Oktober 2026 · Eigene Zusammenfassung, keine amtliche Leitsatzfassung. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung im Einzelfall.

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